Storytelling-Analyse gruppenspezifischer Werthaltungen

Verborgenes Wissen heben

Jedes System, in dem Menschen eine Zeit lang interagieren, ist einzigartig und individuell, und selbst die Beteiligten können dieses komplexe Zusammenspiel aus gelebten, gewachsenen Werthaltungen, Einstellungen, heterogenen Motivationssystemen und internen Kooperationslandschaften und Kommunikationswegen nicht vollständig beschreiben. Dieser Umstand wird erst dann problematisch, wenn in dem gewachsenen System Probleme auftreten, wenn Neues integriert werden muss, wenn rasche Veränderungen gewünscht sind wie etwa bei unternehmensinternen Change-Projekten. Storytelling-Analysen können hier das für erfolgreiche Prozesse nötige Wissen heben.

Aber auch für eine effiziente, zielgruppenadäquate Kommunikation braucht man gruppenspezifisches Wissen, das über das hinausgeht, was Einzelne überblicken und – etwa in Befragungen – über ihr Umfeld und wie es „tickt“ aussagen können; Storytelling-Analysen werden daher zunehmend auch in der Markt- und Motivforschung angewendet.

Analyse der Unternehmenskultur durch ein multiperspektivisches Gesamtbild

Oft gibt es im Unternehmensalltag bei der abteilungs- und bereichsübergreifenden Kommunikation und Kooperation Störungen, die zwar allgemein „bekannt“ sind, sich aber Lösungsversuchen gegenüber über Jahre als resistent erweisen. Einen Zugang zu solchen Problemstellungen schaffen narrative Interviews, mit denen anhand der Alltagserlebnisse und Prozesserfahrungen der verschiedensten Mitarbeiter ein facettenreiches, multiperspektivisches Gesamtbild erstellt wird. Da die Analyse der gesammelten Einzel-Erlebnisse mit einem geeigneten Verfahren die Einstellungen, Erfahrungen, und Motivationen der Akteure in ihrer systemischen Interdependenz aufzeigt, können die versteckten Ursachen der sichtbaren Probleme benannt und bearbeitet werden.

Der narrative Zugang erlaubt einen Einblick in die Breite und Vielfalt der gewachsenen Unternehmensrealität. Durch das Erfassen und Analysieren von heterogenen Mitarbeiter-Erzählungen lassen sich aktuell sichtbare Phänomene des Unternehmensalltags auf ihre systemischen Ursachen zurückverfolgen. Die struktur-analytische Interpretation (SAI) bringt Zusammenhänge, Haltungen und überindividuelle Muster zu Tage.

Komplexe Problemstellungen brauchen einen tiefer gehenden Blick

Wenn ein Problem auftritt, findet sich seine Lösung nicht immer da, „wo der Schuh drückt“. Eine komplexere Ursachenforschung wird immer dann nötig, wenn ein Problem sich im Zusammenspiel mehrerer Faktoren gebildet hat. Diese historische und systemische Herleitung gelingt durch das Erzählen-lassen. Denn Geschichten handeln nie von unverbundenen Einzel-Phänomenen, sondern immer von Zusammenhängen, zeitlichen Abfolgen und Begründungen. Durch die vergleichende Analyse der einzelnen Erzählungen werden zudem Muster, Ähnlichkeiten und Heterogenitäten, Subkulturen und gruppenspezifische Werthaltungen sichtbar.

Ursachenforschung in der Vergangenheit

Ein solcher Fall von komplexeren Ursachen kann sein, dass für eine geforderte Leistung die systemischen Voraussetzungen fehlen, oder dass etablierte Arbeitsanreize und Belohnungssysteme einem gewünschten Verhalten widersprechen. In einem Unternehmen etwa zeigten intensive und kostspielige Mitarbeiter-Schulungen bezüglich größerer Service-Orientierung wenig Erfolg. Eine wichtige Ursache für diese Schulungs-Resistenz war eine bis zur obersten Ebene ausschließliche Innen-Orientierung aller Unternehmensprozesse. Man hatte den Kunden also – auch auf Vorstandsebene – bis dahin noch gar nicht im Blick gehabt.

Storytelling-Analyse als umfassender Kommunikations- und Veränderungsprozess

Die Storytelling-Analyse bettet den narrativen Zugang in einen Kommunikations- und Veränderungsprozess ein, der vom Erzählen und Zuhören über die Reflexion zur Aktion – und damit wieder zur Kommunikation im Unternehmen führt. Die Mitarbeiter/Kunden erzählen, das Unternehmen hört zu und reflektiert, indem es die Ergebnisse der Analyse in die Prozesse einbezieht. Die veränderten Rahmenbedingungen wirken im Unternehmen und sind wiederum Teil der neuen Kommunikation.